About This Project
Umbau Wohnhaus Siriusstrasse, Zürich (4 Einheiten)
Das Mehrfamilienhaus gehört zu einem qualitätvoll bebauten, intakten Mehrfamilienhaus-Geviert aus der Jahrhundertwende um 1900 und ist im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutobjekte von kommunaler Bedeutung. Städtebaulich betrachtet bildet es eine aufgelöste Randstruktur mit freiem Binnengrünraum und weist eine grosse ortsbildprägende Qualität auf.
Das für den Späthistorismus typische eklektische Kombinieren verschiedener historsicher Stilrichtungen ist bei diesem Objekt sehr eindrucksvoll vollzogen worden. So weist das dreigeschossige Gebäude eine reich geschmückte, backsteinverkleidete Haupt- und verputzte und weitgehend schmucklose Seiten und Hoffassaden auf. Besonders augenfällig sind ein Quergiebel im Stil der deutschen Renaissance und ein spitz auskragender Balkon mit mächtiger Konsole aus Naturstein. Dieses Bauwerk gehört zu den wichtigsten im Werk der wenig bekannten Architekten Leukert & Mayer, die zwischen 1887 und 1900 aktiv waren.
Die Raumorganisation richtet sich nach den bürgerlichen Wohnverhältnissen der Jahrhundertwende und weist schöne Räume für den Schlaf- und Wohnbereich auf. Darüber hinweg zeigen sich aber die für die heutigen Wohnbedürfnisse typischen Defizite: zu kleines Bad, fehlende Dusche/WC, eine zu kleine Wohnküche und ein fehlender Aussenraum. Zudem war ein Zimmer gefangen und nur über einen vorgelagerten Raum erreichbar. Der Eingangsbereich war gemessen am äusseren Erscheinungsbild der Liegenschaft sehr stiefmütterlich dimensioniert.
Entsprechend des qualitätvollen Bestandes musste sorgfältig abgewogen werden, wie tief in die bestehende Struktur eingegriffen wird. So sollten die bestehenden Defizite aufgelöst werden, ohne dabei die bestehende Substanz in ihrem denkmalgeschützten Wert zu mindern. Durch Auflösen eines Raumes und Erstellung eines Badezimmers an der Fassade konnten der Eingangsbereich vergrössert, das ehemals gefangene Zimmer direkt erschlossen, die Küche um ein nicht mehr benötigtes WC vergrössert und das alte und zu kleine Bad zu einer Dusche umgenutzt werden. Eine innere Verglasung bringt Licht über das Bad direkt in die neue Eingangshalle. Zur Wohnküche konnte Balkone mit Sicht in den ruhigen und begrünten Hof angebaut werden.
Die originalen Bodenbeläge in den Zimmern waren leider in den 60er/70er Jahren durch die damals grassierende Ungepflogenheit, mittels neuer Unterkonstruktionen plane Einbauverhältnisse für textile Bodenbeläge zu schaffen, vollständig zerstört worden. So wurde im Umsetzungsprozess entschieden, die Holzbalkenlage der Decken freizulegen, um mittels Leichtbeton eine neue Verbunddecke zu realiseren. Ein trittschallgedämmter Heizestrich nimmt in den Zimmern einen massiven Buchenparkett auf. In der Eingangshalle und der Küche wurde der Heizestrich geschliffen, gewachst und blieb als Fertigbelag sichtbar.
Der Bauherr betreibt selber ein im Denkmalschutzbereich etabliertes Malergeschäft und konnte mit seinem Team die Wände und Decken der vier Wohnungen sowie des Treppenhauses fachmännisch und sorgfältig restaurieren.